Kündigung Textilpleite Nordhorn Firma Nino:
Berufsausbildungswunsch bei Ersttermin im Arbeitsamt war nicht möglich, dafür aber „Umschulungen“. Das BTZ hatte für mich keinen Erfolg gebracht mit dieser „Umschulung“, warum sollte ich allen weiteren Umschülern Erfolg wünschen! Nö, scheitert! Bis dieses Bildungssystem endlich eine vernünftige Ausbildung auch für Erwachsene möglich macht !
Zwei Jahre Umschulung zum Elektriker. Zwei Jahre Hoffnung auf einen beruflichen Neuanfang, auf Fachwissen, Perspektive und einen Platz in einem Handwerk, das händeringend nach Nachwuchs sucht. Am Ende aber kein Einstieg in die Elektrotechnik, sondern die unsanfte Bauchlandung vor dem Schreibtisch des Arbeitsamtes. Der große Traum von Aderendhülsen, Schaltplänen und SPS-Technik endet dort, wo er eigentlich niemals wieder beginnen sollte: bei Vermittlungsvorschlägen für den alten Beruf, aus dem man ursprünglich ausbrechen wollte.
Die eigentliche Tragik liegt nicht im Scheitern einzelner Teilnehmer, sondern in der Frage nach dem Sinn des gesamten Apparates. Wenn nach hunderten Stunden Unterricht, Praktika, Prüfungen und Qualifizierungsmaßnahmen am Ende dieselbe berufliche Position steht wie vor dem Beginn der Umschulung, dann wirkt das System wie eine gigantische Kreisverkehrsanlage, in der Menschen jahrelang beschäftigt werden, ohne jemals die Ausfahrt zu erreichen.
Besonders grotesk erscheint dabei die Parade der Arbeitsmarktinstrumente, die sich zwischen Teilnehmer und regulärer Beschäftigung schiebt: ABM-Maßnahmen, Ein-Euro-Jobs, berufliche Integrationsmaßnahmen und zahllose ähnliche Konstruktionen. Was offiziell als Förderung verkauft wird, fühlt sich für viele Betroffene an wie ein endloses Verschiebebahnhofsystem, in dem Lebenszeit verwaltet statt Zukunft gestaltet wird.
Dafür könnte man ein neues deutsches Behördenwort erfinden:
Arbeitsmarktteilhabequalifizierungsintegrationsbeschäftigungstherapieersatzmaßnahmenschleifenvollzugsfortsetzungsprogrammkomplex
Ein Wort, das genau das beschreibt, was manche erleben: Von der Maßnahme in die Maßnahme, von der Förderung in die Förderung, von der Integration in die nächste Integrationsmaßnahme, bis niemand mehr weiß, ob eigentlich ein Berufsziel oder lediglich die Fortsetzung der Verwaltungskarriere des Arbeitslosen angestrebt wird.
Die bitterste Bilanz lautet daher nicht, dass eine Umschulung gescheitert ist. Die bitterste Bilanz lautet, dass zwei Jahre Qualifizierung manchmal nur dazu dienen, den gleichen Ausgangspunkt mit mehr Papier, mehr Zertifikaten und weniger Lebenszeit wieder zu erreichen.