Der Unfallbericht -Kurzroman

Im Rahmen meines Deutschstudiums übe ich das Unfallbericht schreiben. Ok, dieser Unfallbericht, hat etwas von einem Kurzroman.

Der Unfallbericht

Am 19. November d.J. fuhr ich abends gegen 19.15 Uhr mit meinem Wagen, ein VW Golf Caddy, die Höllenstraße entlang mit einer Geschwindigkeit von ca. 70 Km/h.

In der Ferne sah ich zwei Autolichter aus der Dunkelheit auftauchen, das entgegenkommende Fahrzeug fuhr meiner Meinung nach ziemlich schnell, eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 70 Km/h galt auf diesem Streckenabschnitt.

Plötzlich geriet das entgegenkommende Auto immer mehr auf meine Fahrbahnseite und ich bekam ein ungutes Gefühl.

Ein ausweichen war ohne Kollision mit einem Baum nicht möglich, so bremste ich mein Auto stark ab.

Ich erkannte eine schwarze Luxuslimousine die weiter mit hoher Geschwindigkeit auf mich zukam. Meinen Wagen konnte ich mit Vollbremsung bis zum Stillstand bringen.

Dann ging alles in Sekundenschnelle, der entgegenrasende Mercedes versuchte nun doch noch auf seine Fahrbahn zu lenken, doch es war zu spät.

Mein Auto wurde frontal gerammt, der Airbag meines Autos löste aus, es gab einen lauten Knall, ich verspürte wie sich etwas vor meine Beine schob und mich verletzte.

Wenig später gab es einen weiteren , noch lauteren Knall , gefolgt von Aufprallgeräuschen, es waren Autoteile, die durch die Gegend geschleudert wurden und nun überall aufschlugen.

Ich konnte mich aus meinem Auto befreien, die Fahrertür war glücklicherweise noch zu öffnen und ich stieg aus. Benommen sah ich an meinen Beinen Blut herunterfließen, doch ich konnte laufen.

Es war wie in einem Alptraum, überall lagen Autoteile herum, eine Flüssigkeit , vermutlich Kraftstoff und Öl waren an vielen Stellen auf der Straße verteilt.

Ich krempelte die Hosenbeine hoch und sah, dass meine Verletzungen nicht so schlimm waren, aus dem Verbandkasten klebte ich schnell ein paar Pflaster auf die eigenen Wunden.

Mir war trotzdem noch Schwindelig im Kopf, aber ich raffte mich dazu auf zum gegnerischen Unfallauto zu humpeln. Es war dunkel, aber ich sah in einiger Entfernung noch das Licht , das anscheinend bei dem Mercedes durch den Aufprall nicht erloschen war.

Auf dem trümmerbeladenen Weg dahin klingelte irgendwo etwas, es musste ein Handy/Smartphone sein, ja, da lag etwas. Ein Smartphone, es hatte fast unbeschädigt das Unglück überstanden. Ich sah auf dem Smartphone nach und plötzlich blitzte eine Message hervor.

Da stand „Verreck, Du Miststück!“, dann, sah ich reflexartig auf meine Armbanduhr, die 19.45 Uhr anzeigte. Das Smartphone zeigte zu diesem Zeitpunkt aber eine Uhrzeit von 20.30 an, was ich zuerst nicht verstand, ich erklärte es mir irgendwie, aber so recht glaubte ich all meine eigenen Erklärungsversuche nicht. Ich verschwendete keine Gedanken mehr daran und dann, ich erschrak , ging das Licht des Handy von einer Sekunde auf die andere aus, nichts ging mehr.

Ich steckte es in die Hosentasche und humpelte weiter in Richtung Luxus-Mercedes.

Ein Bild des Horrors bot sich mir dort. Eine blutüberströmte Frau kroch aus dem Wagen heraus, es war wohl der massiven Bauweise des Wagens zu verdanken, dass die Frau noch aus dem Wagen lebend herauskam, denn ein Airbag hatte dort nicht ausgelöst. Doch das war nur der erste Schock.

Ich erkannte in dem fürchterlich entstellten blutigen Gesicht die Leiterin des Jobcenters meiner Stadt, Ulla Kotzbrock war Ihr Name.

Die Frau war verantwortlich dafür, dass ich als Mann mit 53 Jahren noch keine Frau und Sex hatte, außerdem hatte Sie immer dafür gesorgt, dass ich von Ihren „Mitarbeitern“ – Sachbearbeiter genannt (als wenn ein Mensch eine Sache ist…) – , mit Sanktionen genervt wurde, obwohl ich meine Mutter pflegte und alles in Ihrem Scheißverein angegeben hatte. Ich war also von Natur aus wenig erfreut, dieser Person zu begegnen, nicht einmal in der Hölle, so wie es jetzt aussah.

Sie erblickte mich und flehte um Hilfe, doch ich war hin und hergerissen, der pure Hass auf diese Kreatur , die Bereitschaft zu helfen spielten Roulette in meinem Kopf.

Sollte ich besser angeekelt beschließen in Ohnmacht zu fallen ? Es war ja bekannt dass ich kein Blut sehen konnte. Meine eigenen Wunden waren durch schnelles handeln nicht mehr am bluten, die Pflaster hielten noch alle. Vermutlich wäre ich sonst schon am eigenen Auto in Ohnmacht gefallen, wie schrecklich.

Nun wunderte ich mich doch, dass ich beim Anblick der Kotzbrock nicht schon lange in Ohnmacht gefallen bin, aber vermutlich überlagerten meine wilden Gedanken alles oder blockierten gar etwas, was man in dieser Situation normalerweise machen sollte, helfen !

Ich stand Bruchteile von Sekunden wie angewurzelt auf der Stelle und sah die blutüberströmte Frau an, doch es war wie eine halbe Ewigkeit.

Dann…..verblasste alles um mich herum, ich spürte noch, wie sich mein Körper schwankend zur Seite drehte und ich auf den Straßenbelag fiel. Mir wurde schwarz vor Augen, von da an erinnere ich mich an nichts mehr.

Das Erwachen kam, langsam lichtete sich der Nebel in meinem Bewusstsein, ich öffnete langsam die Augen. Rettungswagen, Polizeiwagen, Feuerwehrautos standen kreuz und quer auf der Straße oder auf dem Seitenstreifen, ein surreales Bild doch es war alles Real. Ein Notarzt kniete neben mir und beatmete mich mit mit einer Sauerstoffflasche, meine Gedanken wurden wieder klarer.

Ich stand auf, war noch etwas wackelig auf den Füßen, kurz wurde mir wieder etwas Unwohl, aber es legte sich wieder. Mein Blick schweifte umher, Ärzte sagten etwas zu mir, doch ich ignorierte alles. Meine Augen trafen nun eine Gruppe aus Ärzten, die sich um die Frau aus dem Mercedes kümmerten, ich ging zu der Gruppe hin und hatte wieder einen kurzen Blackout. Ich stolperte etwas über Trümmerteile vom Unfall, kam dann mit Hilfe eines Notarztes, der mir unter die Arme griff weiter und konnte mich der Gruppe zu nähern.

Ich sah in Ihre Augen und mir war kalt, nein, ich hatte nichts erwartet, kein Danke, denn ich konnte Ihr nicht helfen. Die Frau , Leiterin des Jobcenters, starb in den um Ihr Leben ringenden Hände der Ärzte, Ihre Augenlider schlossen sich langsam, der Atemrhytmus hörte auf. Es war vorbei.

Was sich dann ereignete kann ich mir bis heute nicht erklären. In meiner Hosentasche klingelte das Smartphone, das ich aufgesammelt hatte, ich zuckte zusammen und griff es heraus. In der Hand liegend erhellte sich langsam das LED-Licht des Handys…..es war gespenstisch. Die Uhrzeit wurde im Display mit 20.30 angezeigt, war also aktuell….

Dann schrieb der Massenger des Handys wie von Geisterhand Buchstabe für Buchstabe “ ES TUT MIR LEID, WAS ICH DIR ANGETAN HABE “

Nach einer Weile erlosch die Message, das Licht dimmte abnehmend bis alles dunkel war. Die Nachricht konnte niemals rekonstruiert werden, das Handy war nach dem Vorfall nie wieder funktionsfähig, obwohl es den Unfall doch anscheinend unbeschadet überstanden hatte…………

E.N.D.E

 

 

 

 

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